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Umbauanleitung für CLIP an der Speed Dragon

Vorwort

Die Speed Dragon unterstützt serienmäßig kein CLIP an den analogen Anschlüssen.
Es ist jedoch mit Hilfe eines einfachen Widerstandes möglich eine CLIP Message manuell zu senden, die auch am (CLIP fähigen) Telefon ankommt und angezeigt wird. Diese Tatsache war der Anreiz für dieses Projekt. Mit einigen  Hardwareänderungen lässt sich die Speed Dragon zu einer CLIP-fähigen ISDN-Anlage ausbauen !
Für die allgemeine Verständnis sind Grundlagen der Elektrotechnik beim Leser dieser Anleitung sehr von Vorteil.
Es muß auch noch etwas klargestellt werden, wie bei allen unseren Anleitungen gilt auch hier:
ANWENDUNG AUF EIGENE GEFAHR ! Wir übehnemen keinerlei Haftung für Schäden die durch die Anwendung dieser Anleitung entstehen können. So, dann kann es jetzt losgehen...

Was ist CLIP ?

CLIP (engl. calling line identification presentation) ist ein Feature, das dem Angerufenem erlaubt die Nummer des Anrufers zu sehen. Die Speed Dragon bietet diese Funktion nur auf dem eingebauten Display an. Bisher war diese Funktion nur reinen ISDN Telefonen vorenthalten. Es gibt mittlerweile auch analoge Telefone die diese Funktion unterstützen. Diese wurden in der letzten Zeit immer populärer. An analogen Telefonen funktioniert CLIP jedoch ein wenig anders als an den ISDN Geräten. Dies ist bedingt durch die verwendete Technologie.

Wie funktioniert CLIP ?

An ISDN wird die CLIP Information in digitaler Form über den D-Kanal übertragen. Die Auswertung übernimmt ein Prozessor des ISDN Gerätes, der ohne propriertären CLIP Hardware die Information direkt auswerten und auf dem Display anzeigen kann.
In der analogen Telefonie können keine digitalen Signale übertragen werden, so daß hier ein Umweg nötig ist.
CLIP an den analogen Telefonen wird in Form eines mit FSK (frequency shift keying) modulierten Bursts zwischen den beiden ersten Klingelzeichen übertragen. Dieser Burst erfordert eine zusätzliche Hardware, die die Signalverarbeitung übernimmt. Die Hardware ist sowohl an der Sende- (Tk-Anlage) als auch an der Empfängerseite (Teefon) notwendig. Damit die Übermittlung auch klappt, sollte die Software diese Hardware auch nutzen.
Im Bezug auf die Speed Dragon fängt hier das erste Problem an.

Die Software der Speed Dragon

Bei der Speed Dragon, bietet die Firmware erst ab Version 3.20 die Softwarefunktionen für CLIP (siehe letzter Abschnitt "Bemerkungen"). Nun, diese Firmware wurde eigentlich für die neue Power Dragon von Hagenuk (Funktionsberschreibung siehe http://www.hagenuk.de/) entwickelt, so, daß die neuen CLIP Funktionen bei der Speed Dragon aufgrund der mangelden CLIP-fähigen-Hardware keine Verwendung finden. Alle CLIP-Routinen lassen sich auch nur vom System Monitor aus benutzen.

Die Hardware der Speed Dragon

Speed Dragon setzt sich im wesentlichen aus einem ARM 32-bit RISC Prozessor, Speicher (RAM für den Betrieb,  FlashROM für die Firmware und I²C EEPROM für die Konfiguration), UART Baustein (mit dazugehörigen TTL-RS232 Wandler),  3 PCM CODECs (puls code modulation coder-decoder)von Motorola mit der Bezeichnung MC14LC5480, die als A/D udn D/A Wandler dienen und 3 SLICs (subscriber line interface circuit) mit der nichtssagenden Aufschrift HG169, die das Handling der a/b-Leitungen (Telefonleitungen) übernehmen.
Um die CLIP Message abzusenden werden ähnlich der Sprache digitale Daten zum CODEC geschickt und zwar zwischen den ersten beiden Klingelzeichen. Der CODEC wandelt diese Daten in ein analoges Signal um und gibt es analog zum SLIC weiter.
Bis dahin ist der Signalweg bei der Speed Dragon CLIP-fähig, dh. es steht hardwaretechnisch nichts im Wege eine CLIP-Information zu verschicken. Nun kommt die analoge Nachricht zum SLIC. Dieser Baustein, der bei der Speed Dragon die Bezeichnung HG169 trägt, wird von SiMi (Sillicium Microelectronic Intergration GmbH) hergestellt und trägt dort die Bezeichnung TFB3869T.

Wie funktioniert der SLIC ?

Der SLIC TFB3869T (im folgeden einfach SLIC genannt) ist von seiner Funktionsweise mit einer Konstantstromquelle vergleichbar, dh. er versucht immer einen festgelegten Strom in der Schleife (a/b Leitung) zu halten. Schwankungen und Veränderungen werden durch die Veränderung der angelegten  Spannung ausgeglichen. Dieser Strom wird Schleifenstrom genannt und wird durch einen Widerstand am RSET Anschluss (Pin 3) an Masse des Bausteins bestimmt (Einzelheiten siehe Datenblatt). Wird die Spannung zwischen La und Lb um 5V niedriger als die Betriebspannung (Schleifenbedingung lt Datenblatt: UAus = Ubat - 5V) wird die Schleife als erkannt gemeldet und am SLICs LD (loop detect) Ausgang (Pin 7) mit einem HIGH Pegel signalisiert. Durch die Modulierung der Schleifenstromeinstellung mit dem analogen Signal erreicht man eine Spannungsänderung am Ausgang (UAusgang=RTelefon* ISchleiffe) die dem zu übertragenem Signal entspricht.

Ist der Hörer aufgelegt, wird im Telefon ein Kondensator in Reihe zu der a/b Leitung geschaltet und das Telefon stellt damit keinen ohm´schen Widerstand dar, Folge -> kein Gleichstromfluß möglich. Da der SLIC immer seinen eingestellten Strom konstant halten will, würde er versuchen den unendlich großen Widerstand zu überwinden in dem er theoretisch eine unendlich hohe Spannung einstellr. In der Praxis ist die maximal erreichbare Spannung jedoch durch die Schleiffenspannung (Ubat) begrenzt. Für den SLIC beträgt diese ca. -22V. Dadurch ergibt sich an der a/b Leitung eine Leerlaufspannung (zwischen La und Lb) in Höhe von ca. 22V. Unter dieser Voraussetzung würde sich eine Strommodulationen keine Wirkung zeigen, denn wenn keine ohm'sche Last vorhanden ist, kann kein Gleichstrom fließen und damit kann auch der auch nicht moduliert werden.

Wir jetzt der Hörer abgenommen, schaltet das Telefon intern einen ohm´schen Widerstand an die a/b-Leitung. Der beträgt in der Regel ca. 600 Ohm. Der SLIC versucht den vorgegebenen Schleifenstrom einzustellen und senkt jetzt die Spannung auf einen Wert, der laut des ohm'schen Gesetzest: U=600Ohm*20mA= 12V beträgt. Diese Spannung schwankt vom Telefon zu Telefon, je nach dem inneren Widerstand der Geräte. Wenn die Schleifenbedingung erreicht wird (Ua/b = Ubat - 5V), wird das Vorhandensein der Schleife (dh. ein Verbraucher ist aktiv) dem Prozessor gemeldet, der initiiert alles weitere damit die Interaktion beginnen kann. Da jetzt ein ohm'scher Wirderstand in die Schleife geschaltet ist, kann der Strom jetzt moduliert werden und sich damit in einer Spannungsänderung auswirken. Nur in diesem Zustand können Signale durch Strommodulation übertragen werden.
Auch CLIP !

Aus dieser Verfahrensweise kann man entnehmen, daß der SLIC zum Umsetzen von Informationen unbedingt einen ohm´schen Widerstand braucht. Der muss midestens so klein sein, damit die Schleife erkannt werden kann und so groß sein, damit eine Stromänderung eine ausreichen große Spannungsänderung hervorruft um von Empfänger korrekt verarbeitet zu werden (zB bei Sprache: damit es laut genug ist :-).

Wo "hängts" ?

Man könnte jetzt meinen, einen Widerstand parallel zum Telefon anschliessen zu können, der mit seinem Wert noch keinen Schleife erkennen lässt (damit die Anlage nicht denkt daß der Hörer abgenommen wurde) aber bereits einen Spannungsabfall verursacht. Nun, das scheint aber nicht zu funktionieren solange die Schleife nicht erkannt wird.
Wählt man einen Widerstand der die Schleife erkennen lässt, registriert das die Speed Dragon als abgenommenen Hörer und verhält sich dementsprechend. Die Folge ist: der Anschluß wird für den Anrufer als besetzt gemeldet. Aber, genau auf diese Weise kann man mit der unveränderten Hardware experimentell und ohne jede Gefahr für das Gerät eine CLIP Message absenden.

Wie kann ich experimentell eine CLIP Message generieren ?

Wenn man die Monitor-Schnittstelle (die eigentlich nur für Servicezwecke gedacht ist) nicht angeschlossen hat, sollte man zunächst dessen Ausgaben auf die serielle Schnittstelle umlenken:
at&hm"uart s 0"
Die Speed Dragon merkt sich diese Einstellung und sie bleibt dadurch ausschaltfest. Nach dem erfolgreichen Umbau sollte diese Einstellung rückgängig gemacht werden, der Befehl dazu ist weiter untern.
Jetzt,  nimmt man einen Widerstand der die Schleife erkännen lässt (zB: 600 Ohm) und schliesst ihn paralell zu a/b-Leitung, lässt den Hörer aufgelegt und gibt im System Monitor einen Befehl zum Versenden einer CLIP Message ein. Die Syntax diesen Befehls lautet:
clip send <1|2|3> [t] <s>   Nachricht s [des Typs t] an einen der a/b-Port send;
                            Leerzeichen in <s> muessen durch "_" ersetzt werden!
Wobei: Typ 1 für "Datum/Zeit" und Typ 2 für "Calling line" stehen.
Die Befehlsyntax bezieht sich auf den Hardwareanschluss des Monitors, kann aber auch über die reguläre serielle Schnittstelle übermittelt werden. Folgender Befehl:
at&hm"clip send 1 2 12345678"
sendet die Nummer "12345678" an das am 1-en Port angeschlossenen Telefon. Der hörer muss natürlich aufgelegt sein. Das Telefon klingelt jetzt paar mal und nach dem ersten Klingelzeichen müsste die Nachricht auf dem Display des Telefons erscheinen (vorausgesetzt das Telefon ist CLIP fähig).

Die Hardwarekennnung

Die Firmware erkennt anhand der Hardware um was für ein Gerät es sich handelt, so daß dem entsprechende Routinen gar nicht erst aktiviert und bestimmte Kommandos nicht angenommen werden. Das würde auch das Verhalten der Speed Dragon erklären wenn man versucht mit dem AT Kommando das CLIP Feature für ein Port zu aktivieren, zB:
at&hp"9956/1=1"
Hierauf bekommt man als Antwort:
9956/1=?:?
Normalerweise müsste hinter dem Doppelpunkt ein Wert 0 oder 1 stehen, das Fragezeichen deutet auf einen ungültigen Befehl hin. Einer der Anhaltspunkte ist die Hardwarekennung und das Hardwarelayout, auslesbar über at&hm"clip status":

Ausgaben der Speed Dragon:

Task-ID: 0x00000006
hardware_kennung : 0x00000080
hardware_layout  : 0x00000004 LAYOUT_HAT
fsk_flag       : 0x00000000
&CONNECTION_START: 0x0106DFAC
Ausgaben der Power Dragon:
Task-ID: 0x00000006
hardware_kennung : 0x00000040
hardware_layout  : 0x00000005 LAYOUT_5
fsk_flag       : 0x00000000
&CONNECTION_START: 0x0106E394
Die Unterschiede sind fett gekennzeichnet. Diese Kennung wird durch eine äußere Beschaltung des Prozessors definiert und von der Software ausgewertet.
Vielen Dank an Carsten Rohde für die ClipStatus-Ausgaben und das Bild von der Platine der Power Dragon !
Beim Vergleich beider Platinen fallen gleich Sachen auf. Ob es sich dabei um eine nötige Hardwareanpassung für CLIP oder eine Schaltungsvereinfachung handelt kann man nur mutmassen. Eines scheint jedoch keine Schaltungsvereinfachung zu sein: ein 10kOhm Widerstand unterhalb des Prozessors, bei der Speed Dragon sitzt er an der dritten Stelle von rechts und in der Power Dragon an der ersten:
[Bild: Hardwarekonfiguration]
Nach dem Umlöten des Widerstandes und Hochfahren der Anlage stellt sich heraus, daß die Speed Dragon jetzt tatsächlich die CLIP Befehle annimmt und korrekt verarbeitet. Ein CLIP Status liefert diesmal folgende Informationen:
ati1
Speed Dragon
OK
at&hm"uart s 1"
OK
at&hm"clip status"
> CLIP-Monitor
Task-ID: 0x00000006
hardware_kennung : 0x00000040
hardware_layout  : 0x00000005 LAYOUT_5
fsk_flag       : 0x00000001
&CONNECTION_START: 0x0106DFAC
OK
Also tatsächlich ! Dieser Wiederstand lässt der Software eine andere (CLIP-fähige) Hardware vortäuschen !
Der Befehl:
at&hp"9956/1=1"
liefert uns diesmal:
9956/1=1:1
als Antwort, damit wurde CLIP für den ersten Port erfolgreich aktiviert. Damit wäre die Software ausgetrickst.
Aber leider funktioniert an so geänderten Speed Dragon das angeschlossene Telefon nicht mehr. Nach dem Abheben ist das Freizeichen-Signal kurz zu hören und verstummt nach ca. einer halben Sekunde wieder. Wählversuche sind erfolglos.
Dieses Verhalten lässt auf die geänderte Auswertung der Schleifenerkennung der analogen Ports schliessen.

Korrektur der loop detect-Auswertung

Bei der Speed Dragon wird das LD (loop detect) Signal vom SLIC durch einen analogen CMOS Schalter 74HC4066 invertiert und an den Prozessor weitergeleitet. Bei der Power Dragon wurden diese ICs weggelassen, dieses lässt eine Vermutung aufkommen, daß dort das LD Signal direkt ausgewertet wird.
Weitere Messungen mit dem Scope bestätigen die Mutmaßungen: wenn der Hörer aufgelegt ist ist ein Freizeichen am Eingang des SLICs zu messen, wenn man den Hörer abhebt verschwindet es, also genau umgekehrt wie es eigentlich sein sollte.
Um die Invertierung zu beseitigen müssen leider 3 Leiterbahnen durchgetrennt werden (siehe Bild). Danach sind rot eingezeichnete Verbindungen mit einem dünnen und isoliertem Draht zu machen.
Anmerkung: Leider gibt es keine sinnvolle Alternative zu, Trennen der Leiterbahnen, denn die Leiterbahnen sind unter den 4066ern verzweigt und mit anderen Teilen verbunden. Ein Beinchen des Prozessors anzuheben erschien gefählrlicher als die Leiterbahn zu durchtrennen. Ein abgebrochenes Beichen macht den Prozessoraustausch unumgänglich, getrennte Leiterbahnen dagegen lassen sich relativ leicht flicken.
ACHTUNG: bei der Speed Dragon wurde eine Multilayer Platine verwendet, dh. es gibt mehrere Lagen von Leiterbahnen getrennt mit einer Isolierschicht übereinander. Eine zu tiefe Risse könnte evtl. dadrunter liegende Verbindungen beschädigen. Am besten man nimmt eine sehr spitze Reißnadel (kein Messer !) und setzt sie so flach wie möglich an.
[Bild: Anpassung des loop detect Signals]
Für diesen kritischen Schritt gibt es hier noch mal ein größeres Foto mit der durchgeführten Änderung.
Damit wäre die Anpassung der Hardware an die Software vollzogen. Die Anlage dürfte sich jetzt wie gewohnt verhalten mit dem einem Unterschied, daß sie ab jetzt auch CLIP Befehle verarbeiten kann. Damit wäre die Grundvoraussetzung für die CLIP-Erweiterung geschaffen. Nun kann man sich langsam Gedanken über die CLIP-Schaltung machen.

CLIP Steuersignal

Wie bereits oben erwähnt wird das CLIP Signal zwischen den beiden Klingelzeichen übertragen. Das muss natürlich genau synchronisiert werden. Hagenuk hat in weiser Voraussicht das Signal bereits in der Speed Dragon vorgesehen (ein dickes Lob an die Entwickler !). Dieses Steuersignal lässt sich manuell vom Monitor aus mit dem Kommando "clip amp" beinflussen:
at&hm"clip > > > CLIP-Monitor
Verfuegbare CLIP-Befehle:
clip help                   Diese Hilfe
clip hilfe                  Diese Hilfe
clip status                 verschiedene Statusinformationen
clip send <1|2|3>           alte Nachricht an einen der a/b-Ports senden
clip send <1|2|3> [t] <s>   Nachricht s [des Typs t] an einen der a/b-Port send;
                            Leerzeichen in <s> muessen durch "_" ersetzt werden!
clip amp <0|1>              Verstaerkung und Schleifenstrom-Bypass setzen
clip tone <1|2|3> <0|1>     Dauerton an a/b-Port schalten
OK
Beim Ausführen der entsprechenden Kommandos wird das Signal sogar beim Namen genannt:
at&hm"clip amp 1"
> CLIP-Monitor
CLIP AMP: /CID_TLNx_ON auf EINS gesetzt
OK
at&hm"clip amp 0"
> CLIP-Monitor
CLIP AMP: /CID_TLNx_ON auf NULL gesetzt
OK
Das kleine "x" im Namen bedeutet, daß mit dem Befehl alle 3 Ports geschaltet werden. Ein mehrmaliges Ein- und Ausschalten der Steuersignale, einige Meßversuche rum um den Prozessor sowie paar CLIP-Send-Befehle helfen sehr schnell die Anschlußstellen für die /CID_TLNx_ON Signale ausfindig zu machen. Es sind drei von den über dem Prozessor angeordneten Testpads:
cid_tlnx_on
Für den Port 1 ist das Signal: /CID_TLN1_ON, für den Port 2 das Signal /CID_TLN2_ON und für den Port 3 dementsprechend /CID_TLN3_ON zuständig. Diese Signale können jetzt dazu benutzt werden um Schaltungen zu steuern, die temporäre Anpassungen mit Hilfe eines Relais schalten.

Die Schaltung

Wie bereits oben erwähnt, liegt an der a/b Leitung die maximal erreichbare Spannung von 22V. In diesem Zustand lassen sich aber keine Informationen aufmodulieren.
Um CLIP zu übermitteln, muß für die Zeit der Übertragung eine ohm'sche Last dazugeschaltet werden. Das erreicht man für die Zeit der CLIP-Übermittlung durch das überbrücken der Elko's, die in jeweiligen den RC-Kombination zwischen der Leitungen La und Lb geschaltet sind. Die Elkos sind unten im Bild mit "Elko" beschriftet und deren Polarität gekennzeichnet.
Durch die Überbrückung der Elkos durch die zusätzlichen Relais, wird ein ohm'scher Widerstand mit einem Wert von ca. 1kOhm (siehe SLIC Datenblatt: "Application circuit", die Werte sind mit der Speed Dragon durchaus vergleichbar) auf die a/b-Leitung geschaltet. Der Spannungsabfall der sich an diesem Widerstand einstellt, reicht in der Regel noch nicht aus um aufgrund der Strom-Modulation eine hinreichend hohe Spannungsänderung (Signalamplitude) für die Übertragung der CLIP-Information zu verursachen. Um dieses Manko zu beseitigen muß der Schleifenstrom kurzfristig für die CLIP-Übertragung angehoben werden. Das erreicht man durch die Erhöhung des Widerstandswertes Rset (am Pin 3 des SLIC). Aus dem Grund werden die 3 Rset Widerstände vorerst entfernt und später in der Schaltung durch andere ersetzt:
resist
Bei der Speed Dragon hat der Widerstand Rset den Wert von 110k.
Für die richtige Stromverstärkung für CLIP-Funktionalität braucht man aber ca 250k-300k. Also nimmt man einen 110kOhm Widerstand und lässt einen weiteren Widerstand von 140k-190k in Reihe dazu schalten. Der zusätzliche Widerstand wird im Normalfall (wenn keine CLIP-Message geschickt wird) durch ein Relais überbrückt.
Zuallerletzt kommt jetzt die Schaltung selbst, hierbei handelt es sich um eine einfache Relais-Schalterstufe mit einem handelsüblichen PNP-Transistor um das low-aktive Steuersignal zu verarbeiten:
[Bild: Relais-Schaltung]

Der Aufbau

Die Schaltung muß natürlich je für ein Port gebaut werden.
/CID_TLNx_ON wurde bereits weiter oben erwähnt (siehe "CLIP Steuersignal") und dessen Anschlußstelle ist ebenfalls dort auf einem Bild zu finden. Die Masse und +5V können aus den unteren Pads entnommen werden (am Rand der Platine), SLIC Pin 3 kann direkt am Pin 3 angelötet werden oder an der oberen Anschlußstelle des ausgelöteten Widerstands Rset (diese Anschlußstelle ist auf dem Bild rot ausgefüllt dargestellt).
Der entfernte Rset, wird durch den R3 ersetzt, der mit dem Relais in der CLIP-Betriebsart um den R2 erweitert wird.
Der Widerstand R4 hat nur die Aufgabe den Elko sanft zu entladen und wodurch er hohe Ströme in den Schaltkontakten des Relais verhindert. Diode D1 hat eine Schutzfunktion und soll den Transistor vor zu hohen Spannungsspitzen schützen, die im Ausschaltmoment des Relais entstehen können. Elko+ und Elko- sind die auf dem Bild gekennzeichneten Anschlüsse.
Vorsicht: die Anordnung der Beschaltung und der Telefonbuchsen stimmen nicht überein. Die ICs, Relais und der "Kleinkram" ist spiegelverkehrt angeordnet (siehe Bild mit den Widerständen). Die Portzuweisung ist dort vermerkt.
Die Schaltung kann ohne weiteres auf einer Lochrasterplatine aufgebaut werden und im Gehäuse der Speed Dragon Anlage platz finden. Als Relais wurde ein Mikrorelais (ist schön leise) mit einer Schaltspannung von 5V von OMRON mit der Bezeichnung G6K-2P verwendet (zu bekommen bei Reichelt Elektronik Best. Nr: "G6K-2P 5V"). Vorsicht, die Spule im Relais ist gepolt, dh. sie erfordert eine richtig gepolte Schaltspannung. Falls man ein anderes Relais verwenden möchte, ist auf die Schaltspannung und auf den Spulenwiderstand zu achten, denn das Netzteil der Speed Dragon ist so schon sehr knapp bemessen.
Für Hobby-Bastler die sich die Platine lieber selber ätzen möchten gibt es jetzt die Eagle Dateien (erstellt mit Eagle 3.55r3 Evaluation Version für Linux) mit dem Schaltplan sowie eine fertig geroutete Platine:


Das Platinenlayout kann mit Hilfe des CAM-Prozessors von Eagle auf einem der unterstützten Geräte auf Folie ausgedruckt werden. So sieht dann die fertig aufgebaute Schaltung aus:
Platine
Die jenigen, die noch kein Eagle haben, können den sich eine Evalutation Version direkt vom Hersteller CadSoft runterladen, sie ist kostenlos und auf eine halbe Euro-Platine beschränkt. Wenn man sonst gerne Platinenlayouts entwickelt, ist dieses Programm sehr empfehlenswert. Die  SuSE Linux (IMHO ab Ver. 6.2) beinhaltet bereits Eagle 3.55 für Linux und braucht nicht extra aus dem Internet gezogen werden.

CLIP einschalten

So, nach dem die Hardware fertig umgebaut wurde, dürfen wir natürlich nicht vergessen die CLIP Funktionen zu aktivieren. Dies kann auf 2 Weisen geschehen: unter Windows mit der Einrichtsoftware ver 3.20b oder unter jedem anderen Bestriebssystem mit einem Terminalprogramm TELIX (DOS), ZOC (OS/2), MINICOM (Linux), NTERM (Amiga) u.ä. bewerkstelligen. Da die Speed Dragon Anlage kein Autobauding kann, muß die Schnittstellengeschwindigkeit auf die der Speed Dragon eingestellt werden. Dann müssen folgende Befehle eingegeben werden:
 
Port CLIP ein CLIP aus
1 at&hp"9956/1=1" at&hp"9956/1=0"
2 at&hp"9956/2=1" at&hp"9956/2=0"
3 at&hp"9956/3=1" at&hp"9956/3=0"

Damit die Befehle korrekt verarbeitet werden ist die Firmware 3.20 zwingend notwendig !

So, das wars ! Viel Spaß beim CLIP'en !

Bemerkungen

Umbau:
Die Durchführung erfordert Fingerspitzengefühl, SMD Erfahrung ist sehr von Vorteil jedoch nicht zwingend notwendig. Es empfielt sich vorher auf einer anderen Platine (zB eine alte Computersteckkarte) zu üben und dort mal paar Widerstände auszulöten. Eine besondere Sorgfalt ist in der Hinsicht auf die IC Anschlüsse geboten, dort kann man mit einem kleinen Lötzinnkleks sehr schnell ein Kurzschluß verursachen, falls es dennoch passieren sollte, kann man den mit einer Auslötlitze und dann mit einer feinen Nadel entfernen (Nadel zwischen die kurzgeschlossene Beinchen reinstecken und vorsichtig rausziehen). Auch bei Leiterbahnen sollte man vorsichtig sein, die lösen sich sehr schnell bei zu hoher Hitze vom Trägermaterial, dh. mit anderen Worten: nicht zulange auf einer Stelle rumbraten ! :-)
Als Lötwerkzeug eignet sich am besten ein SMD Lötkolben mit 2 Spitzen, obwohl die aufgeführten Arbeiten auch mit einem normalen Lötkolben von Weller mit einer feinen Spitze und einer Auslötlitze durgeführt wurde ohne etwas zu zerstören (sogar die SMD Widerstände sind intakt geblieben), obwohl es die riskantere Methode war !

Firmware:
Die umgebaute Speed Dragon kann erst ab der Firmware 3.20 betrieben werden. Es gibt jedoch eine Einschränkung. Die CLIP Funktionen lassen sich nur mit der Firmware 3.20 ein- und ausschalten. Die nachfolgenden Versionen (3.23, 3.24 und 3.27) lassen bei der modifizierten Speed Dragon keine CLIP Konfigurationsbefehle zu, funktionieren aber mit den unter 3.20er Firmware vorgenommenen Einstellungen einwandfrei (dh. die Rufnummern werden weiterhin übermittelt).
Hier muss abgewogen werden wie oft man seine Einstellungen ändert und dementsprechend die Firmware auswählen.
Trotzdem versuche ich weiterhin nach einer Lösung zu suchen.

Lautes Brummen wenn's Klingelt
Wenn die Wechselspannung an die a/b Leitung geschaltet und das Telefon in diesem Augenblick abgenommen wird, ertönt ein lautes 50Hz-Brummen im Hörer, erst wenn die Klingelphase vorbei ist wird die Schleife erkannt. Das ist der Preis dafür, daß die 4066-Schalter überbrückt wurden. Eine zusätzliche Invertierung des Signalweges (Vorsicht andere Anschlusspunkte!) behebt dieses Problem. Über eine SMD Platine wird ebenfalls nachgedacht evtl. inkl Port-Expander (3 x AwaDo-ähnliche Umschalter für die Ports).
Aufgrund vieler Anfragen, hier noch mal die Korrektur:
Die Verbindungen, die nach der Leiterbahndurchtrennung gemacht werden, müssen nicht wie im Bild weiter oben dargestellt sondern, nach zusätzlicher Invertierung (zB ein NPN Transistor und 2 Widerstände) an die Anschlussstellen Richtung CPU gemacht werden.
- für den Port 1: Pin 8 oder 2 vom rechten IC    -----> Inverter -------> Prozessor Pin 16
- für den Port 2: Pin 3 oder 11 des rechten ICs  -----> Inverter -------> Prozessor Pin 15
- und für den Port 3: Pin 4 oder 2 des linken ICs -----> Inverter ------> Prozessor Pin 14

Als Inverter lässt sich ein dementsprechendes Logic-Ic aus der 74er Reihe oder eine einfache Transistorschaltung verwenden (BC547, 4,7k Basis-R und 10k Pullup):

Inverter

Es ist geplannt, demnächst diese Änderung inkl. Platine auf dieser Seite zu berücksichtigen.


ACHTUNG: alle Angaben wie immer ohne Gewähr ! Anwendung auf eigene Gefahr !!!!

Letzte Änderung 03.03.2002